Foto: Lisa V. Pape

Foto: Lisa V. Pape

Unübersehbar thront es im Schatten des kleinen Edelstalls: Das Ihmezentrum. Das kontroverse Ungetüm unseres Stadtteils im 70er-Jahre-Charme kommt einem urbanen Raumschiff nahe, das einst die 'Stadt in der Stadt' versprach, doch inzwischen flugunfähig zu sein scheint. Seit Jahrzehnten liegen vor allem die Geschäftsflächen brach und so verfault es bei lebendigem Leib. Für echte Lindener gehört es dennoch genau an diesen Platz und ein Abriss käme einem gebrochenen Herzen gleich. Was fehlt ist eine einladende Geste, die die Verbindung zwischen Stadt und Ihmezentrum wieder herstellt und zu einer Wiederbelebung des Bauklotzes führen kann.

Diese Geste kommt nun von Constantin Alexander. Der Nachhaltigkeitsberater, ehemals Coworker im Edelstall, zog vor einem Jahr mit Sack und Pack in ein Zimmer mit Aussicht direkt im Ihmezentrum ein und heißt seitdem regelmäßig Besuchergruppen willkommen. Constantin führt sie durch die brachliegende Geschäftsebene, aber auch durch Wohntrakte, vorbei an eingetopften Geranien und bemusterten Gardinen, mit denen bis zu 1900 Bewohner ihre Heimat schmücken. „Dass ein Großteil der Wohnungen im Ihmezentrum bewohnt sind, wissen die wenigsten. Also geht pfleglich mit dem Lebensraum der Bewohner um“, bittet Constantin zu Beginn der Tour.

Eineinhalb Stunden wandern wir mit ihm durch die 'Stadt in der Stadt' und wundern uns über all die unbekannten Ecken mitten in Hannover. Constantin erzählt viel. Von Investorenvorhaben und Bauabsichten – aber auch von Geheimnissen, die im inneren des Ihmezentrums verborgen liegen. Von geheimen Räumen ist die Rede und auch davon, wie einst die RAF den komplexen Bau für ihre Machenschaften zu nutzen wusste. Vor allem aber weist Constantin auf das unglaubliche Potential des brachliegenden Baus hin: „Lasst Eurer Phantasie freien Lauf! Schaut Euch um und seht nicht nur, wie es ist, sondern seht auch, was sein könnte!“

Vorschläge zur Nutzung des Ihmezentrums gibt es in Hülle und Fülle: Dachgartencafés, Theaterräume, Nachbarschaftstreffs, Urban-Gardeningprojekte, Studienzentren... Auch angesichts des zukünftigen Wohnraummangels in Großstädten bietet das Ihmezentrum enorme Chancen: Der Platz ist da und die Ideen auch. Aber die Zusammenarbeit zwischen bisherigen Privateigentümern und der Stadt Hannover gestaltet sich schwierig. Kürzlich wurde das Ihmezentrum für 16 mio. Euro an einen Investoren aus Berlin versteigert. Bleibt abzuwarten, ob dieser ein ernsthaftes Interesse daran hegt, das Privatgelände wieder mit der Stadt zu verbinden, über der es zu schweben scheint. 

Constantin will das öffentliche Interesse am Ihmezentrum stärken und die Vorurteile, die sich darum ranken, abbauen. Seine Erfahrungen und Eindrücke veröffentlicht er in seinem Blog 'Das 'Ihme-Zentrum - ein neues Wahrzeichen für Hannover'. Führungen bietet er in regelmäßigen Abständen kostenlos an. Infos dazu und die Möglichkeit zur Anmeldung findet ihr hier.

Wir empfehlen: unbedingt mitmachen und angucken!